Ich war mal Fan von dieser Band

Ich besaß alle Alben und konnte jeden Ton mitsingen und zu jedem Song eine seitenlange Abhandlung schreiben. Ich hatte Tourplakate im Zimmer und einen Aufkleber an meinem Auto und ich habe Zitate in Gespräche eingeworfen und niemand hat sie verstanden. Zum ersten Konzert bin ich allein gefahren, mit dem Auto durch den Regen und ich habe kaum gesehen, wo ich hinfahre, weil die Gischt der LKWs die Frontscheibe blendete und ich hatte doch sowieso schon immer Angst beim Autofahren. Die Band war bei mir und es war gut. Ich habe bei meinem Lieblingslied geweint und als mich dann die Bastarde nach Hause brachten, war ich mir so sicher, nichts könnte uns jemals trennen, ich war mir so sicher, ich könnte mir den Namen der Band auf den Oberschenkel tätowieren und würde mich niemals dafür schämen.
Ich zog in eine andere Stadt und fand keine Freunde, bis ich einmal mit einem T-Shirt der Band in die Uni kam und Doreen auffiel, dass ich ja vielleicht doch nicht so schlimm bin, und jetzt war sie die Erste, die ich anrief, als Michael Jackson starb, das sind die Geschichten, die sich unsere Generation in ein paar Jahren wehmütig erzählen wird. Wegen dieser Band verliebte ich mich in Christian und wir schrieben uns pathetische Zeilen und Songzitate hin und her und es war niemals so schön, verliebt zu sein. Auf der Fahrt zu einem Konzert brachte Sibylle uns beinah um, wir waren müde und orientierungslos. Später an diesem Abend notierte ich mir die wichtigsten Textstellen aus den neuen Liedern mit Kugelschreiber auf dem Arm, um sie später in die Welt hinauszuschreien.
Es war so schön mit dieser Band und plötzlich brachten sie ein schlechtes Album heraus. Es war nicht richtig schlecht, ich mochte zwei, drei Lieder sehr, was fehlte, war das Etwas, das mein Herz und meinen Kopf zusammenwachsen lässt, durch das sich mein gesamter Körper zusammenzieht und ich vor Schönheit und Wahrheit kaum noch Luft bekomme. Die Band war plötzlich berühmt und ich nicht mehr dabei. Und wenn ich auch heute noch gern das beste Lied vom zweiten Album laut höre und mitbrülle und mit der Faust gegen die Wand schlage, wir haben uns so sehr voneinander entfernt, dass ich immer häufiger vergesse, anzurufen und zu fragen, wie es denn geht. Das letzte Album habe ich mir nicht einmal mehr angehört. Den Stellenwert hat längst eine andere Band eingenommen und doch – mit ihnen ist es nie so wie mit dieser Band, das war so etwas Besonderes, meine erste große Liebe und es bricht mein Herz, dass mir der Abschied nicht mehr weh getan hat, da ist noch diese dumpfe Sehnsucht und der Gedanke, dass es damals alles irgendwie schöner und bedeutungsvoller war, als ich noch Fan von dieser Band war.

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